Flügel
16. Juni 2023

48: Umwege erhöhen die Ortskenntnis

Ich habe ein wirklich großartiges Talent: Ich mache mich auf den Weg etwas zu erledigen. Gerade noch fokussiert auf meine Mission begegnen mir auf dem Weg zu meinem soeben definierten nächsten Ziel vielfältige Möglichkeiten, Variationen und Aufgaben. Blumen gießen wollte ich ja eigentlich gestern schon machen, die Wäsche ist auch trocken, die Spülmaschine sagt, sie sei fertig und möchte gerne ausgeräumt werden, huch, da ist zu viel Wasser im Topf der großen Feige gelandet, gut ich wollte hier eh noch kurz durchwischen.

Neulich habe ich ein Foto in einem Album gesucht und daraus wurde eine kleine Zeitreise in längst vergangene Tage. Auch fein ist, wenn ich in meinem Laptop etwas finden möchte, wovon ich irgendwie die Spur in meinen Ordnern verwischt habe. Da finde ich dann manchmal Dateien, von deren Existenz ich gar nichts mehr wusste. Und hier beginnt dann also eine Zeitreise durch alte Vorträge, Handouts und Seminare, die längst Geschichte sind.

Ganz interessant finde ich auch, wenn ich etwas wiederentdecke, bei dem ich denke: “Wer hat denn das geschrieben?“ Ach mensch, das ist ja von mir, interessant. Das muss ein anderes ich gewesen sein. In einer anderen Zeit, in einer anderen Dimension

Ja und dann gibt es da noch die Wege, die ich gehe, laufe, reite, fahre oder mich sonst wie fortbewege: Wo führt denn dieser Weg hin? Wo komme ich denn da wohl aus? Der Weg sieht aber auch schön aus, den würde ich gerne mal ausprobieren! Und hier ist zwar kein Weg, aber ein Wille, da geh ich lang. Und schwupps bin ich ganz woanders als ursprünglich geplant.

So ungefähr war das ja auch mit meinem Hof: Ich wollte ja nie in den Hochwald, weil zu kalt, zu windig, zu irgendwas. Und dann kam der Anruf und mein Weg führte mich direkt hierher. Ich bin schon viele viele Male zuvor in Bescheid unterwegs gewesen. Und dabei noch nicht ein einziges Mal hier auf diesem Hof. Unfassbar. Ich bin noch nicht einmal daran vorbeigefahren. Das wirklich Lustige daran: Die ehemalige Ponyranch stand ja bereits vor längerer Zeit schon einmal zum Verkauf, als mein Vorgänger sie dann übernommen hat. Zu dem Zeitpunkt bin ich ja noch überall wild herumgereist auf der Suche nach meinem place to be.

Verrückt, verrückt. Und dann passt plötzlich alles. Ich glaube ja, dass all diese Wege und Sackgassen und Umwege und Kreisverkehre ihren Sinn haben. Denn sonst würde ich ja nie Blumen gießen. Und viele Wege entwickeln sich ja auch, indem man sie geht. Ich glaube eigentlich alle. Denn auf ausgetretenen Pfaden wandern ist ja irgendwie auch nur Abenteuer mit Ansage.

Wir sind mal einen Berg hoch, den man gar nicht hochgehen konnte, geschweige denn sollte. Da wir aber so gar keine Lust hatten, den langen weiten Weg wieder zurückzugehen, es war auch sehr warm und die Kinder hätten schon vorher die Oma zum Abholhelikoptereinsatz gerufen, wenn wir da irgendwo im Nirgendwo Empfang gehabt hätten. Auf jeden Fall sind wir durch Gestrüpp und wirklich unwegsames Gelände gekraxelt. Um dann vor einer Burgmauer zu stehen.

Zurück war keine Option. Wir sind dann erst in den Garten eingebrochen und haben uns überlegt, ob wir dafür ins Gefängnis kommen würden oder welche Strafe uns erwarten würde, würde man uns erwischen. Und dann sind wir aus dem gesicherten Gelände auf der anderen Seite wieder ausgebrochen, nachdem wir um ein Haar vom Burgherrn erwischt worden wären. Der sah tatsächlich nicht so aus, als wenn er das witzig gefunden hätte, was wir da machen. Ich war übrigens sehr froh, dass er keine Dobermänner herumlaufen hatte, das wäre ja im Film dann eigentlich so üblich gewesen.

Wir haben unseren Hund über die Mauern gehoben, die Kinder sind mucksmäuschenstill alleine geklettert. Auf der anderen Seite haben wir uns auf die bereitstehende Bank gesetzt und Alibigepicknickt, als der Besitzer kaum, dass wir uns dort arrangiert hatten, an uns vorbei patrouillierte. Das ist die bisher meisterzählte Geschichte aus unserem gemeinsamen Wanderfundus, drei ??? to go forever.

Und wenn die Umwege dann dahinführen, dass man da so richtig zufrieden sein kann, wo man dann ist, dann lohnt sich doch jede Extrameile und jedes Sonderabenteuer. Und gelernt wird unterwegs ja sowieso. Und wenn es ist, welche Wege man besser nicht gehen sollte.

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