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27. Januar 2023

28: Die Bescheid Bubble

Es gibt ja Leute, die kommen hierher zu uns nach Bescheid und sagen so was wie: „Aww, wenn ich hier bin, dann vergesse ich meinen ganzen Stress.“ Oder: „Sobald ich die Straße zum Centrum hochfahre, ist die Welt in Ordnung.“ Und ich lächle dann so in mich hinein und freue mich und denke so was wie: „Echt jetzt? Das ist krass.“

Gestern war ich auch mal wieder „da draußen“. Es fing eigentlich schon morgens mit der Impfung einiger Pferde an. Ich habe mich nämlich mit einem unserer Tierärzte über die neue tierärztliche Gebührenordnung ausgetauscht. Die ist nämlich echt fett. Und auch die Tierärzt:innen selbst sind nicht alle amused darüber, was der Staat sich da so ausgedacht hat. Dass Haustiere Luxus sind, wissen wir. Dass dieser Luxus nun noch luxuriöser wird, ist echt hart für uns Tierbesitzer:innen. Zumindest dann, wenn das geliebte Tier einmal krank wird. Oder eine Impfung braucht. Oder eine Wurmkur.

Nur mal angenommen, eine Stimme, die dazu die Meinung vertritt, dass der Haustierbestand dank der Regierung massiv verkleinert und nahezu halbiert werden soll, hätte recht: Ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass der eine oder die andere sich keine neue Katze, keinen neuen Hund geschweige denn das luxuriöseste aller Haustiere (außer Krokodil natürlich) nämlich ein Pferd neu anschafft. Aber die anderen haben wir ja nun mal, die sind einfach schon da. Und es mag ja Menschen geben, die sich dann von ihren lieben Tieren verabschieden und sie verkaufen oder abgeben (müssen). Aber die meisten von uns versuchen ja, sie zu (be-)halten und mit ihnen alt zu werden. Das ist dann finanziell echt ne Hausnummer und macht einfach keinen Spaß. Und über die Tierheime, den Tierschutz und all die Heimatlosen mag ich jetzt nicht nachdenken, das ist mir zu viel auf einmal.

Ja, und dann mache ich mich auf in die große weite Welt und habe unterwegs einige Zeit, Radio zu hören. Ich lese schon Nachrichten und höre morgens beim Zähneputzen aus aller Welt, aber das reicht mir dann auch. Meine Timelines in den sozialen Netzwerken spucken alle zumindest meistens good vibes aus und ich bin allgemein informiert was so abgeht und widme mich dann meinen Aufgaben. Ist ja sowieso alles nicht objektiv, das ist mal klar. Gefiltert, gepimpt, genutzt, geschnitzt und so getuned, dass niemand genau weiß, was eigentlich die Wahrheit ist. Woher auch? So viele Wahrheiten und so viele Lügen.

Alle Sender erzählen heute von Panzern, von Krieg, von Munition, von Aufrüstung, von Wahnsinn. Während Udo seinen neuen Song mit seinem Kumpanen Apache singt, der heute von einem Kometen und nicht vom Frieden handelt. Aber Udo steht für mich für Frieden. So was von.

Was ist richtig, was ist zu tun und was nicht? Ich bin weit davon entfernt die Lösung zu kennen. Aber das hier finde ich beängstigend nah, Deutschland ist Teil eines Krieges. Wir sind Teil eines Krieges, der uns wirklich alle angeht.

Beim Einkaufen frage ich mich, ob sie versehentlich die Preisschilder falsch ausgestellt haben: Sogar die Pommes kosten mehr als das Doppelte. Dazu muss hier erwähnt werden, dass bei uns normalerweise der Mann immer einkaufen geht und ich zwar weiß, dass alles viel teurer geworden ist, es aber nicht so sehr auf dem Schirm habe. Weil bei der Haushaltskassenabrechnung ist das eher son Gesamtding und ich vertraue da voll und ganz den Rechenkünsten und dem Gerechtigkeitssinn meines Mannes.

Ich habe keine Lust mehr einzukaufen. Nur Hustenbonbons kaufen macht heute Spaß: Die sind hier viel günstiger als da, wo ich sie neulich luxuriös an der Tanke erworben habe. 

Das Wetter ist doof, Schnee wie bei uns liegt hier auch nicht, der die Welt heller macht. Alles ist grau und matschig und dann wird es dunkel. Und ich habe auf der Heimfahrt so viel Nebel, dass ich nicht so genau weiß, ob ich mehr Angst um die Rehe unterwegs habe, die ich potenziell auf keinen Fall erkenne, wenn sie die Straße passieren oder um mich und mein Auto. So oder so ist es einfach nur furchtbar anstrengend und ich mache drei Kreuze, als ich endlich zuhause bin.

Die Schlüssel, die ich habe nachmachen lassen, passen natürlich nicht. Der kompetente Mann im Baumarkt war so kompetent, dass er erst noch zehn Minuten anderen Kunden erzählen musste, dass nur er ein guter Mitarbeiter sei, weil die anderen das nicht so können wir er. Aha. Ein netter junger Mann half mir dann endlich weiter, ich fand ihn auf jeden Fall sozial wesentlich kompetenter als den Selbstgekrönten. Die Schlüssel passen aber trotzdem nicht.

Im Radio immer „PanzerPanzerPanzer“; hatte ich dann auch keine Lust mehr drauf. Nur der Russland Korrespondent hat mich mit seinen Worten etwas aufgemuntert: Deutschland sei ja aus Sicht der Russen an der Leine der USA, wir sollten uns einfach Russland anschließen, dann ginge es uns besser. Gut. Zumindest sind wir aus seiner Sicht für russische Menschen nicht ernst zu nehmen, diese Sorge verkleinerte sich dann etwas in  meinem Kopf. Ich glaub ihm jetzt mal, hab ich Lust zu, entspannt mich. Ich finde es nämlich absurd, dass wir Waffen und Munition und Panzer und alles produzieren. Und es auch scheinbar irgendwie nicht geht es nicht zu tun. Ich höre dann jetzt lieber meine Playlist, da geht’s mir besser.

Und schlagartig besser geht es mir auch, als ich in Bescheid lande. Ich fühle mich, als wolle ich mich wälzen und anschließend schütteln, so wie meine Luxushaustiere es immer tun.

Mein Mann ist damit einverstanden, dass ich nun einfach gar nicht mehr einkaufen gehe. Und ich fahre einfach nirgendwo mehr hin, der Sprit ist eh zu teuer. Ich bleibe einfach hier in meiner Bescheid Bubble und genieße ein Stück heile Welt. Ponyranch Kunterbunt steht ja tatsächlich noch heute auf meinem Steuerbescheid. Das haben die einfach nicht geändert. Der Name ist Programm.

Und nachdem ich mich von all den bad vibes etwas regeneriert habe und nicht mehr auswandern oder mich eingraben will beschließe ich einmal mehr, wie wichtig es ist, die Bescheid Bubble zu pflegen und zu hegen und hierher einzuladen: Heil ist die Welt hier auch nicht. Aber sie fühlt sich heiler an, good vibes und so. Und die brauchen wir in nächster Zeit mehr denn je.

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