Grotte Dénia August 2022
16. August 2022

05: Sonnenkuss

Die Sonne küsst meine Haut. Es ist früh. Und es ist heiß. Ich schließe meine Augen, höre das Meer. Wie das Wasser kommt und geht kommen meine Gedanken. Und gehen wieder. Ich lasse sie übers Meer hinausziehen. Und folge ihnen nach Menorca. Als ich 2005 der Sonne versprochen habe meinen Weg zu gehen. Auch da hat sie meine Haut geküsst. Und ich bin losgegangen. Heute fragt sie mich wie es denn aussieht, die Sonne. Wir waren gar nicht verabredet und ich frage mich, ob ich sie oder sie mich angequatscht hat. Eigentlich wollte ich mit meinen 3 Männern in der Grotte nach unserer Kletterpartie schnorcheln gehen. Da das Meer ganz schön wild ist entscheide ich mich um und setze mich auf einen großen Felsen.

Natürlich sind das nicht „meine 3 Männer“. Zum einen gehören sie natürlich sich selbst und zum anderen bin ich nicht die Mutter dieser zwei zauberhaften jungen Männer. Das ist auch gut so, habe ich doch bereits bei unserem Abflug in Köln / Bonn für Fremdschämenszenen gesorgt. Sohn 2 habe ich versucht zu beruhigen, indem ich laut verkündet habe, dass ich nicht seine Mutter sei. Auch wieder nicht richtig. Beim großen traditionellen Umzug gestern in der Stadt mit wilden Pferden, lauter Musik und Kleidung, bei der ich beim Zusehen bereits ins Schwitzen geraten bin, sollte ich bitte nicht so laut reden und beim Reden und Gehen auch nicht so mit den Armen fuchteln. Nun, ich finde, die Spanier*innen reden doppelt so schnell und mindestens so laut wie ich und bereits die kleinen bitten theatralisch mit schräg gelegtem Kopf und „por favor, maman!“ während sie den linken Arm nach oben schmeißen und die Hand dabei zum gusto formen länger am Wasser zu bleiben. Ich spreche nur eine andere Sprache.

Ist schon lustig, dass ich heute Schulbrote schmiere, manchmal Vokabeln übe und stundenlang Uno und Monopoly spiele. Dabei habe ich nie Kinder geboren. Und habe immer gesagt, dass ich, wenn dann am besten gleich Kinder so ab Schulalter bekommen würde. Auch wenn Babys unglaublich süß sind und meine Hormone gerne „oh ja, das wollen wir auch, lass uns unsere Gene weitergeben“ säuseln, sobald ich diese wundervollen kleinen Erdenwesen in meinen Armen halte, liebe ich es, sie wieder in die verantwortungsbewussten Arme ihrer Mama zurückzulegen und ausreiten zu gehen. Ich bewundere alle Mütter für ihre unglaubliche Selbstlosigkeit und Fürsorge. Dafür, dass sie ihr Leben der Liebe schenken. Ich weiß, dass sich das nicht immer so anfühlt und dass es viele viele Selbst und Zweifel gibt, keine Frage. Ich habe aber auch gehört, dass Du als Mama Dein Herz Dein Leben lang außerhalb Deines Körpers trägst. Mir steigen bereits Tränen in die Augen, während ich diese Zeilen schreibe, so sehr bewegt mich dieser Gedanke. Und da ich schon beim leisen „miuu“ meiner kleinen ehemaligen Flaschenkindkatze wach werde, die heute 17 ist und ich sie dann mitten in der Nacht suchen gehe, liegt die Vermutung nahe, dass ich wahrscheinlich eine Vollblutmutter geworden wäre. Ich hätte möglicherweise jeden Elternabend gesprengt und wäre mit meinen Vorstellungen von Erziehung bei so manchen Eltern der Freund*innen meiner Kinder nicht grundsätzlich beliebt gewesen. Ich habe auch gehört, dass für Kinder eigentlich nie der richtige Zeitpunkt ist. Entweder frau will oder nicht.

Mein Talent, mich in Männer zu verlieben, die zwar einiges interessantes zu bieten hatten, wo Familie und Business gleichzeitig jedoch seeeehr schwierig gewesen wären, war wirklich großartig. So habe ich viel erlebt und bin eigentlich immer dann gegangen, als ich mir nicht vorstellen konnte, mit gerade diesem Mann Kinder zu bekommen, wenn es ein Thema wurde. Meine Hormone immer so: „Psst, hey, da geht noch was. Warte auf den richtigen Löwen.“

Und gerade dann, als ich mich entschieden habe, dass ich nun tatsächlich keine Kinder bekommen möchte, sind sie da. Können sprechen, laufen und es ist oft lustig, wenn auch nicht immer. So what.

Der Mann, der sie mitgebracht hat, ist der beste Vater, den ich mir für meine Kinder hätte wünschen können. Und in der Woche, wo sie bei uns sind, bin ich die böse Stiefmutter. Selbstverständlich gehören diese beiden wundervollen Jungs zu ihrer Mutter. Weil das so ist. Vorhin habe ich, während ich im Pool unterwegs war: „Papa, hör auf zu lesen und kümmere Dich mal um Deine Familie!“ gehört. Ich musste grinsen. Ja, das bin ich: Teil dieser Patchworkfamilie. Wer hätte das gedacht?

Damals auf Menorca habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als nach Hause zu kommen und es sei genau so. War es nicht. Als ich in Hannover gelandet bin wurde ich von Schnee und meinem zukünftigen Ex empfangen. Ich hatte mir fest vorgenommen, mich nach meiner Rückkehr zu trennen.

Er hatte Rosen dabei und das gesamte Haus auf den Kopf gestellt. Gekocht und mich vermisst. Es hat dann noch eine Weile angehalten aber als mein roter Kater einzog, wurde er dann doch der geplante Ex. Und ich die Meisterin meines Lebens. Über Umwege. Aber die erhöhen ja bekanntlich die Ortskenntnis.

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